Neues aus der April Zuchtwertschätzung
Holstein
Vor fast 15 Jahren wurde die genomische Selektion in Deutschland für die Rasse Holstein eingeführt. Nun folgt im April 2025 der nächste Meilenstein in der Zuchtwertschätzung – die Umstellung auf das Single-Step-Verfahren!
Bisher wurden die Zuchtwerte in mehreren Schritten geschätzt (Multi-Step-Verfahren). Dafür wurden zunächst konventionelle Zuchtwerte anhand von Leistungs- und Abstammungsdaten geschätzt. In einem zweiten Schritt erfolgte die Einbeziehung der Genominformationen genotypisierter Tiere, um direkte genomische Zuchtwerte zu schätzen. Der konventionelle Zuchtwert und der direkte genomische Wert wurden anschließend zum genomischen Zuchtwert (gZW) kombiniert.
Wie der Name Single-Step schon vermuten lässt, werden die genomischen Zuchtwerte zukünftig aus allen verfügbaren Informationen in einem simultanen Schritt geschätzt. Alle Tiere erhalten damit nur noch einen Zuchtwert, worin alle Informationen aus dem Pedigree, den Phänotypen und den Genotypen kombiniert sind. Die Unterscheidung in konventionelle und direkt genomische Zuchtwerte entfällt (siehe Grafik).
Was verändert sich?
Mittlerweile liegt in Deutschland für die Rasse Holstein eine enorme Menge an Leistungs-, Abstammungs- und Genotypdaten vor. Je nach Merkmal umfasst die Anzahl der genotypisierten Kühe mit Eigenleistungen zwischen 380.000 und 1.120.000. Hinzu kommen Bullen mit Nachkommenleistungen, die ebenfalls in die Schätzung einfließen. Durch das Single-Step-Verfahren können alle vorhandenen Informationen optimal genutzt werden. Die gleichzeitige Betrachtung aller Informationen bietet eine sicherere Schätzung der Zuchtwerte, wodurch die Vorhersagegenauigkeit der Zuchtwerte erheblich steigt und höheren Zuchtfortschritt ermöglicht. Dies gilt vor allem für funktionale Merkmale wie Nutzungsdauer oder Gesundheit.
Die neue Rechenmethode bringt einmalig einige Änderungen in den Zuchtwerten von Bullen und weiblichen Tieren mit sich. Da nahezu jedes Zuchtmerkmal betroffen ist, werden sich auch die Gesamtzuchtwerte der Tiere leicht verändern, was zu Rangverschiebungen der Bullen in den Toplisten führen kann. Durch die höheren Sicherheiten und die damit verbundenen größeren Streuungen über alle Merkmale wird sich das allgemeine Zuchtwertniveau leicht anheben.
Mehr Sicherheit, mehr Zuchtfortschritt!
Der größte Vorteil des Single-Step-Verfahrens: Die Zuchtwerte werden noch sicherer! Besonders bei Gesundheits- und funktionalen Merkmalen ist ein durchschnittlicher Sicherheitszuwachs von bis zu 14 % zu erwarten. Gerade junge, genomische Bullen profitieren von diesem Sicherheitsschub. Doch auch typisierte weibliche Holsteins gewinnen durch das neue Verfahren an Zuchtwertsicherheit. Je sicherer die Zuchtwerte geschätzt werden, desto höher ist der erzielbare Zuchtfortschritt – sowohl in der eigenen Herde als auch auf Populationsebene. Mit der höheren Sicherheit geht auch eine größere Stabilität der Zuchtwerte einher. So können heute allein anhand von Zuchtwerten noch präzisere Vorhersagen über die Gesundheit, Fruchtbarkeit, Leistung und Nutzungsdauer in Ihrer Herde getroffen werden.
Weltweiter Vorreiter
Mit der Umstellung auf Single-Step wird in Deutschland ab April 2025 die aktuell fortschrittlichste Methode für die Schätzung von Zuchtwerten verwendet (EG Golden Standards). Damit bleibt die Deutsche Rinderzucht ein weltweiter Vorreiter im Bereich Datenqualität und Zuchtwertschätzung! Durch die bestmögliche Verwendung aller vorhandenen Daten werden noch genauere Zuchtwerte geschaffen, die Züchtern mehr Stabilität, eine bessere Selektion und einen höheren Zuchtfortschritt ermöglichen.
„Die Umstellung auf Single-Step ist für die deutsche Holstein-Zucht ein bedeutender Schritt vorwärts und ermöglicht eine noch bessere Zucht auf leistungsstarke und gesunde Milchkühe“, resümiert Dr. Christin Schmidtmann vom vit.